Auszug

Vom Umweltamt Dresden war Dr. Christian Korndörfer eingeladen und hat die Auswertung des Hochwassers 2013 vorgestellt und mit dem Jahrhunderthochwasser 2002 verglichen.

Beispielsweise wurden Um- bzw. Neubaumaßnahmen an Brücken, welche die Weißeritz überqueren, erwähnt. Die Brücken wurden so gebaut, dass die Fläche der Brückenpfeiler, welche sich im Wasser befinden, möglichst gering ausfällt um dem Wasserfluß – besonders bei Hochwasserfällen – weniger Hindernisse in den Weg zu stellen. Sprich, der Wasserfluss sollte verbessert werden, um Aufstauungen zu vermeiden, welche Flussaufwärts den Wasserpegel erhöhen.

Im Vergleich zum „Jahrhunderthochwasser“ 2002 war das Hochwasser 2013, in Bezug auf die Wassermenge, schlimmer. Bei einer anderen Verteilung des Niederschlags (2013 waren diese über einen längeren Zeitraum verteilt) wären die Auswirkungen des Hochwassers viel gravierender gewesen als 2002.

Angesprochen wurde auch das Hochwasser 2006. Diese drei Hochwasser zusammen genommen – also 2002, 2006 & 2013 – könnte man nach Dr. Christian Korndörfers Worten als „statistischen Ausschlag“ abtuen oder davon ausgehen, dass diese die ersten Anzeichen dafür sind, dass wir in Dresden noch viel öfter mit Hochwassern in diesen Dimensionen zu tun haben werden.

Interessant ist auch die Wasserverteilung beim letztjährigen Hochwasser! So war beispielsweise der Elbpegel in Pieschen um ca. 30 cm Höher als in der Innenstadt gemessen, also fast 9 Meter! Etwas weiter nördlich der Elbe an der Gohliser Mühle sogar 60 cm höher als 2002. Diese Veränderungen des Elbpegels hängen vermutlich mit Hochwasserschutzmaßnahmen zusammen, welche anderenorts dafür sorgen, dass das Wasser nicht in die Stadt reinläuft. Doch zu welchem Preis frage ich mich?

Als kleiner Exkurs, da dies einige der Anwesenden Ortsbeiräte anscheinend nicht wussten bzw. die meisten Menschen dies nicht wissen werden. Ich habe mir bei einem der Pieschenpiraten-Treffen den ganzen Sachverhalt mit dem Hochwasser, Hafencity, Deichen etc. von einem Ingenieur mal erklären lassen. Folgendes wurde mir erklärt:

Sobald der Flusslauf eingeengt wird, entstehen dadurch Verwirbelungen und das Wasser staut sich an dieser Stelle. Dadurch steigt der Wasserstand flussaufwärts(!). Wie weiter oben schon geschrieben, wurde dies an der Weißeritz durch Brückenneubau behoben bzw. abgemildert.

Den erhöhten Elbpegel in Pieschen könnte man nun damit erklären – meine Ansicht/Meinung – dass die Elbe durch die Mauern zwischen Flutrinne und Watzke mehr Hindernisse hat, welche diese wiederum stauen und so flussaufwärts für den höheren Elbpegel sorgen. (Wie gesagt, ich hab es mir nur erklären lassen und bin weder Ingenieur für Wasserwirtschaft, Physiker oder ähnliches.)

Festzustellen bleibt unterm Strich dennoch, dass wir uns sehr genau überlegen sollten, welche Flächen wir aus welchen Gründen schützen wollen. Damit kommen wir nun direkt zur Hafencity.

Der Gesetzgeber sieht vor, dass bebaute Flächen geschützt werden können. Oder anders formuliert: Flächen, welche vor vielen Jahren bebaut worden sind und nun des öfteren mit Hochwasser rechnen müssen bzw. überschwemmt werden, können geschützt werden – sofern der Schutz verhältnismäßig ist.

Für einen Neubau wie die „Hafencity“ oder „Marina Gardens“ trifft dies nicht zu! Dies sind reine Neubauten, welche keinen zusätzlichen Hochwasserschutz rechtfertigen. Ganz im Gegenteil! Beide Projekte liegen im ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet und rechtfertigen damit weder den zusätzlichen Hochwasserschutz noch die generelle Diskussion über beide Bebauungen im Überschwemmungsgebiet.

Kurz zurück zum Steigen des Wasserpegels flussaufwärts bei Verengung des Flussbettes. Nach groben Betrachtungen kann dies zum weiteren Anstieg des Pegels um 1 bis 1,5 Metern führen. Laut Herrn Dr. Christian Korndörfer beträgt das Schadenspotenzial (nach Neuwert) bei einem Wasserstand von 10 Meter rund 90 Millionen Euro! Allein dies sollte alle weiteren Überlegungen und Planungen bezüglich Hafencity erübrigen. Das Risiko ist bei weitem höher als jeder spekulative Gewinn.

Oft hört man von Befürwortern des Hafencity-Projektes ja, dass alles genauestens geprüft wird, keine Gefahr für die Bewohner des Hauses oder der Menschen in unmittelbarer Nähe sowie der umliegenden Gebäude bestehen würde. Ok, meinetwegen. Dies wurde allerdings auch alles bei jeder bisher erfolgten Hochwasserschutzmaßnahme durchgeführt.

Das Ergebnis daraus ist allerdings ernüchternd. Bisher wurde festgestellt, dass die bereits erfolgten Maßnahmen keine Auswirkungen haben bzw. nur minimalste (bspw. 5 cm mehr Elbpegel). Der aufmerksame Leser, wird sich nun an den 30 cm höheren Pegel in Pieschen bzw. an sogar 60 cm mehr in Gohlis erinnern! Keine oder nur geringe Auswirkungen? Da gehen die Schätzungen mit der Realität leider weit auseinander.

Zum Abschluss noch ein kleines Beispiel über den Hochwasserschutz und die Flut von 2013. Die Stahltore am Kongresszentrum wiegen sage und schreibe 70 Tonnen! Diese 70 Tonnen schweren Stahltore wurden durch die Flutmassen um ganze 8 cm verbogen. Welche Kraft hinter fliesendem Wasser steht ist wahrlich schwer zu begreifen, aber wir haben es hier nicht mit unserer heimischen Dusche zu tun, sondern mit einem Fluss welcher sich seinen Weg sucht. Sich den Kräften der Natur in den Weg zu stellen hat uns bisher nirgendwo hin gebracht. Wir sollten eher darüber diskutieren, wie wir dem Fluss mehr Raum geben könnten. Das Pieschenpark-Konzept der Piraten könnte ein Ansatz sein und wäre weitaus nachhaltiger als eine Bebauung von Retentionsflächen zum Schaden der Allgemeinheit.

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